Meine Geschichte – warum ich Vorrio gegründet habe
Ankommen – ein Land, das mir eine Chance gegeben hat
Mein Name ist Mohi. Ich bin 1989 geboren und 2013 als Student nach Wien gekommen.
Damals wusste ich noch nicht, wohin mich mein Leben führen würde. Ich hatte Hoffnungen, Träume und viele Fragen über meine Zukunft.
Später musste ich in Österreich Asyl beantragen. Es war keine einfache Zeit. Vieles war ungewiss, und ich musste lernen, mit Situationen umzugehen, auf die ich nicht vorbereitet war.
Aber gerade in dieser schwierigen Zeit habe ich etwas erlebt, das ich bis heute nicht vergessen habe.
Menschen, die mich überhaupt nicht kannten, haben mir geholfen. Manche mit großen Dingen, andere mit kleinen Gesten: ein freundliches Wort, etwas Geduld, eine offene Tür oder einfach das Gefühl, willkommen zu sein.
Vielleicht waren es für diese Menschen nur Kleinigkeiten. Für mich haben sie viel bedeutet.
Österreich wurde für mich mit der Zeit mehr als nur das Land, in dem ich lebe. Es wurde mein Zuhause.
Und irgendwann entstand in mir ein Wunsch, der mich bis heute begleitet: Ich möchte nicht nur in diesem Land leben und von seinen Möglichkeiten profitieren. Ich möchte auch etwas zurückgeben.
Nicht, weil ich dazu verpflichtet bin. Sondern weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie wertvoll es ist, wenn Menschen füreinander da sind.
Der Grund – warum Vorrio entstanden ist
In meiner Familie wurde viel über den Krieg erzählt.
Über Angst und Unsicherheit. Darüber, wie schnell sich ein ganz normales Leben verändern kann. Und darüber, wie wertvoll Dinge werden, die wir im Alltag für selbstverständlich halten: Trinkwasser, Lebensmittel, Strom, Sicherheit und ein ruhiges Zuhause.
Diese Geschichten haben mich geprägt.
Dabei habe ich etwas verstanden: Wir können nicht alles kontrollieren, was auf der Welt passiert. Aber wir können uns und unsere Familien auf schwierige Situationen vorbereiten.
Und dafür braucht es nicht immer viel Geld oder kompliziertes Wissen. Manchmal braucht es einfach jemanden, der die wichtigsten Informationen verständlich zusammenstellt.
Aus diesem Gedanken ist Vorrio entstanden: eine kostenlose Anwendung, die Menschen dabei hilft, ihre persönliche Notfallvorsorge zu planen. Sie zeigt, welche Vorräte ein Haushalt braucht, welche Dinge bereits vorhanden sind und worauf man achten sollte.
Mir war wichtig, dass Vorrio einfach funktioniert: ohne Registrierung, ohne Kosten und auch ohne Internetverbindung, nachdem man die Anwendung einmal geöffnet hat.
Ich möchte damit keine Angst verbreiten. Im Gegenteil: Ich wünsche mir, dass Menschen weniger Angst haben müssen, weil sie besser vorbereitet sind.
Vielleicht kann Vorrio einer Familie helfen, in einer schwierigen Situation etwas ruhiger zu bleiben. Vielleicht erinnert es jemanden daran, rechtzeitig etwas Wichtiges zu besorgen.
Und wenn diese kleine Anwendung irgendwann auch nur einem Menschen in einem entscheidenden Moment hilft, dann hat sich die Arbeit für mich bereits gelohnt.
Die Sprachen – Hilfe sollte keine Grenzen kennen
Von Anfang an war mir bei Vorrio eines besonders wichtig: Ein Mensch ist ein Mensch. Ganz gleich, wo er geboren wurde, welche Sprache er spricht, welche Religion er hat oder wie viel Geld ihm zur Verfügung steht.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein kann, in einem fremden Land wichtige Informationen zu verstehen. Gerade in einer Notsituation kann Sprache zu einer zusätzlichen Herausforderung werden.
Deshalb gibt es Vorrio nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Arabisch, Persisch und Spanisch.
Denn wenn in einem Wohnhaus plötzlich der Strom ausfällt oder eine andere Notsituation entsteht, betrifft das alle Menschen, die dort leben: die österreichische Familie genauso wie die syrische, iranische, deutsche oder spanische Familie nebenan.
In solchen Momenten sollte nicht entscheidend sein, woher jemand kommt. Entscheidend sollte sein, dass wir einander helfen können.
Ich glaube, dass eine starke Gesellschaft nicht nur daran zu erkennen ist, wie gut es den Menschen in guten Zeiten geht. Sondern auch daran, wie sie in schwierigen Zeiten miteinander umgehen.
Wie es weitergeht – Vorrio ist erst der Anfang
Vorrio ist für mich mehr als ein technisches Projekt. Es ist ein erster Schritt in eine Richtung, die mir persönlich sehr wichtig ist.
Ich möchte meine Fähigkeiten und mein Wissen nutzen, um digitale Lösungen zu entwickeln, die nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein können, sondern auch einen echten Nutzen für Menschen schaffen. Und ich habe noch viele Ideen.
Eines meiner nächsten Ziele ist ein Freiwilligen-Hub: eine Plattform, auf der Menschen, die helfen möchten, mit Menschen und Organisationen zusammenfinden, die Unterstützung brauchen.
Denn ich glaube, dass es sehr viele Menschen gibt, die gerne etwas Gutes tun würden. Manchmal wissen sie nur nicht, wo sie anfangen sollen.
Vielleicht hat jemand zwei Stunden in der Woche Zeit. Vielleicht kann jemand übersetzen, technische Probleme lösen, älteren Menschen helfen oder eine Organisation bei ihrer Arbeit unterstützen.
Nicht jeder kann Geld spenden. Nicht jeder hat viel Freizeit. Aber fast jeder Mensch besitzt etwas, das für andere wertvoll sein kann: eine Fähigkeit, eine Erfahrung, eine Idee oder einfach ein wenig Zeit.
Ich selbst kann die Welt nicht verändern. Und ich kann diese Projekte auch nicht alle allein verwirklichen. Aber vielleicht müssen wir das auch gar nicht. Vielleicht reicht es, wenn jeder von uns einen kleinen Teil beiträgt.
Deshalb freue ich mich über Menschen, die Vorrio nutzen, weiterempfehlen, ihre Ideen teilen oder mich und meine zukünftigen Projekte unterstützen möchten.
Nicht, weil ich im Mittelpunkt stehen möchte. Sondern weil ich glaube, dass aus einer kleinen Idee etwas Großes entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam daran arbeiten.
Mein Wunsch – eine friedlichere Welt
Wenn ich über meine Vergangenheit nachdenke und gleichzeitig in die Zukunft schaue, bleibt am Ende ein ganz einfacher Wunsch.
Ich wünsche mir eine Welt, in der Kinder ohne Angst aufwachsen können. In der Familien abends ruhig schlafen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, was der nächste Morgen bringt.
Eine Welt, in der Menschen einander nicht zuerst nach ihrer Herkunft, Sprache oder Religion beurteilen, sondern in der wir wieder stärker sehen, was uns miteinander verbindet.
Ich weiß, dass eine kleine App keinen Krieg verhindern und nicht alle Probleme unserer Welt lösen kann. Aber ich glaube auch, dass wir nicht aufhören sollten, etwas Gutes zu tun, nur weil wir nicht alles verändern können.
Österreich hat mir in einer schwierigen Phase meines Lebens Sicherheit und neue Möglichkeiten gegeben. Heute möchte ich auf meine eigene Weise etwas davon weitergeben: mit Vorrio, mit meinen nächsten Projekten und hoffentlich gemeinsam mit vielen anderen Menschen.
Denn am Ende wünsche ich mir für uns alle dasselbe: Frieden. Sicherheit. Und ein Leben, in dem wir füreinander da sind.
Von Herzen, Mohi, Gründer von Vorrio